Geschichte der Distribution

SuSE Linux

Die Wurzeln von openSUSE reichen bis Anfang der 1990er zurück, als Linux noch auf ca. 50 Disketten aus dem Internet geladen werden konnte, aber nur wenige potenzielle Nutzer überhaupt Internetzugang hatten. Die damalige S.u.S.E. (Gesellschaft für Software- und System-Entwicklung) GmbH stellte Linux-Disketten zu einem kaufbaren Paket zusammen. Im weiteren erschien bereits vorher die Slackware-Distribution von Patrick Volkerding, die – eine weitere Besonderheit des späteren Suse Linux – weitgehend durch die Suse GmbH für die Installation in deutscher Sprache lokalisiert wurde und dadurch der Distribution eine große Anhängerschaft im deutschsprachigen Raum schuf. Zudem wurde das Slackware-eigene Installationstool alsbald durch das von der Suse GmbH selbst entwickelte YaST ersetzt. Ab April 1994 wurde das Suse-Linux-Paket in der Version 1.0 nicht mehr auf Disketten – am Ende waren es über 70 Stück – sondern auf CD ausgeliefert.

Die erste Version der eigenständigen und von Slackware unabhängigen Linux-Distribution wurde im Mai 1996 unter dem Namen S.u.S.E. Linux mit der Versionsnummer 4.2 veröffentlicht. Die Versionsnummer ergab sich nach langer Diskussion: da man die Versionsnummer 1.1 ablehnte, lehnte man die Nummer lieber an die Zahl 42, der Antwort auf die „Frage aller Fragen“ aus Douglas Adams Roman Per Anhalter durch die Galaxis an. Erstmals enthielt die drei CDs umfassende Distribution auch ein "Live-Filesystem".

Die Verkaufszahlen von Suse Linux stiegen ab der Version 4.2 sehr stark an. Ein erwachender professioneller Linux-Markt forderte angepasste Produkte, so dass Suse Linux ab der Version 5 erstmals parallel ein auf einer eingefrorenen Standard-Suse-Linux-Distribution basierendes SuSE Business Linux-Produkt anbot, das über längere Release-Zyklen und sogenannten Business-Support ein spezielleres Publikum ansprechen sollte. Diese Konzeption wurde aber erst deutlich später durch den Suse Linux Enterprise Server (SLES) konsequent umgesetzt, der neben den längeren Release- und Update-Zyklen auch mit verschiedenen Support-Angeboten und Training erworben werden kann.

Neben der Diversifizierung im Support-Level verbreiterte sich Suse Linux – bis dahin nur für Intel i386-Plattform – ab der Version 6.1 auch auf die DEC Alpha AXP-Plattform, ab Version 6.3 auf die PowerPC-Plattform. Beide Distributionen hatten wesentlichen Einfluss auf die positive qualitative Weiterentwicklung der Suse-Linux-Distribution, auch für die Intel-Plattform, erreichten aber nie massenhafte Verbreitung. Im weiteren Verlauf kamen SuSE-Linux-Versionen für AMD Athlon 64-, Intel Itanium- und IBM S390-(Z-Series)-Systeme hinzu.

Für Privatkunden gab es von der Version 7.0 bis einschließlich zur Version 9.1 zwei Versionen von Suse Linux: eine vom Programmumfang eingeschränkte – und damit billigere – Personal-Version und eine Professional-Version, der zusätzlich Server- und Entwicklungssoftware beilag. Daneben gab es eine ermäßigte Campusversion für Schüler und Studenten, die inhaltsgleich mit der Professional-Version war. Ein preiswerteres Update-Paket für die Professional-Version war ebenfalls erhältlich, es enthielt jedoch kein gedrucktes Administrationshandbuch. SuSE 9.1 ist die erste Version, die unter der Leitung von Novell erschien. Zu den Änderungen gehörte, dass nun neben der Installation über FTP-Server ab Juni 2004 eine CD für eine grundlegende Installation im Internet verfügbar war. Nicht auf der CD enthaltene Pakete waren über FTP installierbar. Auch war bei der Professional-Edition im Handel eine zweite DVD mit der Software für 64-Bit-Systeme (AMD64- und Intel 64-CPUs) dabei (die 64-Bit-Version von SuSE 9.0 wurde separat verkauft). Außerdem wurde bei der Veröffentlichung von Suse Linux 9.1 im April 2004 das Installations- und Konfigurationswerkzeug YaST unter die GPL gestellt. Zu den von Novell eingeführten Neuerungen gehörte außerdem, dass neben KDE der GNOME-Desktop ein stärkeres Gewicht fand, was man unter anderem an einer eigenen Live-CD mit diesem Desktop ab Version 9.2 sah. Bei einigen Versionen gab es zusätzlich oder alternativ Live-DVDs mit KDE und GNOME. Für Suse 9.2 wurden dann erstmals umfassende ISO-Abbilder der Distribution zum Download angeboten und im Gegenzug die Personalversion eingestellt. Die ermäßigte Campusversion und das preiswertere Update-Paket wurden noch bis einschließlich Version 9.3 vertrieben. Ab Version 10.0 ist jeweils nur noch eine Box in den Handel gekommen.

openSUSE

Mit der Schaffung des openSUSE-Projekts wurde die Entwicklung von Suse Linux öffentlich gemacht, wodurch jeder Nutzer auch die Alpha- und Beta-Versionen von Suse Linux testen und gefundene Fehler in einem öffentlichen Bugtracker melden kann. Weiterhin kann man sich im Rahmen dieses Projekts jetzt auch aktiv an der Entwicklung beteiligen, indem man Patches zu bestehenden oder ganz neue Pakete zur Distribution beisteuert. Auch am Schreiben der openSUSE-Dokumentation kann man sich beteiligen.

Die erste unter Mitwirkung dieses Projekts entstandene finale Version konnte entweder ohne jegliche proprietäre Software als vollständige Open-Source-Distribution heruntergeladen werden (SUSE Linux OSS 10.0), oder aber im Bündel mit proprietärer Software wie dem Adobe Reader und Flash Player sowie MP3-Spielern heruntergeladen oder gekauft werden (SUSE Linux 10.0 Eval).

Seit dem 11. Mai 2006 werden aber nur noch Versionen veröffentlicht, die ausschließlich freie Software und Treiber enthalten. Proprietäre Software wird seitdem in einem separaten Verzeichnis geführt. Ferner wurde das OSS im Namen entfernt.

Mit der Veröffentlichung der Version 10.2 am 7. Dezember 2006 wurde der Name der Distribution von Suse Linux in openSUSE geändert, um den Einfluss des Projekts widerzuspiegeln und Verwechslungen mit den kommerziellen Ablegern zu vermeiden.

Besonderheiten der Distribution

Die größte Besonderheit der Distribution ist das hauseigene Installations- und Konfigurationswerkzeug YaST, das eine zentrale Schnittstelle für das gesamte System darstellt. Ebenso findet sich dort SaX2 („SUSE advanced X11 configuration“), das die Einrichtung der Grafikkarte, Maus und Tastatur vornimmt.

Im Vergleich mit anderen Heimnutzer-Distributionen stellt auch die LSB-Zertifizierung der Distribution etwas Besonderes dar: So sind verschiedene Versionen der Distribution jeweils LSB-zertifiziert worden. Die Version openSUSE 10.2 ist LSB-3.0-zertifiziert [2].

Traditionell war SuSE Linux stets eine KDE-zentrische Distribution. Diese auf der Qt-Bibliothek basierende Desktop-Umgebung wurde seit den späten 1990er Jahren standardmäßig als Arbeitsumgebung installiert, gleichzeitig standen und stehen zahlreiche KDE-Entwickler auf der Gehaltsliste von SUSE. Seit der Übernahme SUSEs durch den Softwarekonzern Novell, der zuvor die Firma des GNOME-Gründers Miguel de Icaza, Ximian, aufgekauft hatte, verschob sich die Gewichtung stärker in Richtung GNOME. In openSUSE 10.3 stehen beide Arbeitsumgebungen als gleichwertige Optionen zu Verfügung, wobei GNOME bei der Installation über die Medien, die beide Plattformen beinhalten, entsprechend der alphabetischen Reihenfolge Vorauswahl ist. Alternativ bietet Novell CDs als Installationsmedium an, die entweder GNOME oder KDE enthalten. Novell zeigt beim GNOME-Desktop insgesamt mehr Engagement. So arbeitet GNOME besser mit dem Composition Manager Compiz zusammen. Ein Charakteristikum ist, dass der OpenSUSE-GNOME-Desktop stark auf Mono setzt, das ebenfalls von Ximian entwickelt wurde. So wird als Standard-Audiospieler Banshee eingesetzt, als Desktop-Suchmaschine dient Beagle, anstelle des traditionellen GNOME-Hauptmenüs kommt der in C# geschriebene SuSE Linux Application Browser (SLAB) zum Einsatz. Die ebenfalls Mono-basierte Wiki-artige Notizapplikation tomboy ist als Applet im GNOME-Panel eines neu installierten OpenSUSE zu finden. Als Bilderverwaltung installiert OpenSUSE das von Novell geförderte F-Spot. Im Vergleich zu GNOME ist KDE bis auf das SUSE-spezifische Menü Kickoff deutlich weniger stark verändert worden.

Auf den Installationsmedien werden zusätzlich weitere Arbeitsumgebungen wie Xfce und Fenstermanager wie FVWM mitgeliefert.

Rückblickend hatte sich SUSE im Vergleich vor allen Dingen durch eine fortgeschrittene Unterstützung und Integration von ISDN-Karten, die gegenüber dem Standard-Kernel deutlich erweiterte Treiberauswahl, das sehr frühzeitige Integrieren des K Desktop Environments und einen großen Paketumfang wesentlich unterschieden.

Eine weitere Besonderheit stellten die SUSE-Support-Datenbank und die SUSE-Component-Database dar. Beide stellten umfangreiche Informationen und Hilfestellungen für die Installation und Konfiguration des Systems und der entsprechenden Hardware zur Verfügung. Dabei ist vor allen Dingen die Hardware-Datenbank auch von Nutzern anderer Distributionen rege genutzt worden. Beide Mechanismen waren ebenfalls auf den Medien der Distribution enthalten und ergänzten so die Produkt-Dokumentation.

Das SUSE-eigene Paketinstallationstool YaST2 stellt zwar eine komfortable Suche nach Paketen zur Verfügung, arbeitet jedoch recht langsam, hat lange Ladezeiten und durchläuft nach jeder Installation umfangreiche Konfigurationsdateien. Beim Nachinstallieren verschiedener Programmbibliotheken führt dies (auch wegen der Paketabhängigkeiten bei Linuxdistributionen) häufig zu Wartezeiten. Neben Yast setzt Suse ab der Version 10.1 auch auf die mono-basierte Paketverwaltung Novell ZENworks als Linux-Management. Suse-Anwender können aber auch auf weitere Paketverwaltungs-Tools wie das Advanced Packaging Tool und den Smart Package Manager zugreifen, die ebenfalls im Lieferumfang enthalten sind.

Seit openSUSE 10.3 bietet die Distribution durch die Migrationshilfe instlux die Möglichkeit, openSUSE aus einer bestehenden Microsoft Windows-Installation heraus zu installieren.

Eine weitere Besonderheit der SuSE-Distribution besteht im Aufbau der Konfigurationsdateien. Einige Konfigurationsdateien von Systemdiensten werden aus einfacher zu bearbeitenden Dateien in /etc/sysconfig/ durch das Tool SuSEconfig generiert. Während dieses Tool früher Konfigurationsdateien überschrieben hat, wird heute geprüft, ob der Administrator diese bearbeitet hat, und in diesem Falle die Konfigurationsdatei nicht überschrieben.